Zwei Bergsteiger in Winterausrüstung stehen an einem verschneiten Berghang mit schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund.

Der erste Halti-Parka – zum 50-jährigen Jubiläum als moderner Klassiker wiedergeboren

Zum 50-jährigen Jubiläum kehrt Halti zu seinen Ursprüngen zurück. Wir haben tief in die Archive geschaut – zu den Geschichten und Momenten, die unsere Produkte über Jahrzehnte geprägt haben. Den Auftakt der Jubiläumskollektion bildet der Halti 1976 Parka: eine moderne Neuinterpretation eines Klassikers, in dem Outdoor-Tradition und zeitgemäße Materialien zusammenfinden. Willkommen in unserer Reihe „50 Years of Product Stories“, einer Hommage an die Ideen und Entwicklungen, die Halti zu dem gemacht haben, was wir heute sind.

Zwei Parkas, ein Mann in einer roten Kapuzenjacke und Bergsteiger auf einem verschneiten Berg, mit Text auf Finnisch.

Die 1970er Jahre und der Aufstieg einer neuen Outdoor-Kultur

Als Halti 1976 gegründet wurde, befand sich Finnland in einem Wandel: Die Nachfrage nach Outdoor-Bekleidung wuchs schneller als das Angebot. Die Gesellschaft modernisierte sich, die Freizeit nahm zu, und Sport erreichte ein breiteres Publikum als je zuvor. Outdoor-Aktivitäten wurden zu einem landesweiten Phänomen. Skilanglauf, Wandern und Trekking zogen die Menschen in die Natur, während das alpine Skifahren – besonders gegen Ende des Jahrzehnts – mit dem Ausbau der Skigebiete einen neuen Trend setzte.

Mehr Zeit im Freien zu verbringen schuf den Bedarf an völlig neuen Arten von Kleidung und Ausrüstung – Produkten, die Wetter, Verschleiß und langen Touren standhalten konnten und dabei auch gut aussahen. Die verfügbaren Anoraks, Trainingsanzüge und Wollpullover wurden den steigenden Erwartungen nicht länger gerecht. Materialien bestanden größtenteils aus Naturfasern, während die Entwicklung technischer Stoffe erst in den Kinderschuhen steckte. Mit veränderten Konsumgewohnheiten wuchs auch der Anspruch: Die Menschen waren bereit, in hochwertige Freizeit- und Outdoor-Ausrüstung zu investieren, als Kaufkraft und Bewusstsein zunahmen. Von Produkten wurde mehr erwartet – bessere Funktionalität, längere Haltbarkeit.

Gleichzeitig wandte sich Finnland stärker als zuvor den europäischen Trends zu. Qualität und Praktikabilität blieben wichtig, doch Design und Markenidentität gewannen zunehmend an Einfluss. Kräftige Farben, markante Prints und sichtbare Logos hielten Einzug in die Outdoor-Mode. Kleidung, die von Sporthelden getragen wurde, avancierte nun auch im Alltag vieler Outdoor-Begeisterter zum begehrten Stil.

Fünf Personen in Winterkleidung posieren oder stehen draußen und drinnen, zwei mit pelzgefütterten Kapuzen, vor einem schwarzen Hintergrund.

„In der Wildnis, fernab von Sicherheit, darf man niemals an der Qualität sparen.“

Bessere Produkte für Outdoor-Abenteurer

Das Unternehmen begann nahezu bei null – doch mit einer klaren Vision und einem tiefen Verständnis dafür, was Outdoor-Begeisterte wirklich benötigten. Haltis Gründer, Juhani Hyökyvaara, war frustriert darüber, dass es in Finnland keine leichten, langlebigen und zuverlässig trockenen Trekking-Bekleidungen und -Ausrüstungen gab. Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee, ein Unternehmen zu gründen, das die Dinge grundlegend anders angehen würde.

Die ersten Halti-Produkte wurden 1977 vorgestellt. Die Kollektion umfasste Rucksäcke, Schlafsäcke, Isomatten und Trekking-Outfits. Einige Artikel wurden fix und fertig aus England bezogen, andere wiederum von Grund auf selbst entworfen und gefertigt. Von Anfang an stand fest: Die Produkte sollten aus den bestmöglichen Materialien bestehen – und dort entwickelt werden, wo sie tatsächlich zum Einsatz kamen.

„Wer auf Touren und Expeditionen der Wildnis ausgeliefert ist, darf bei der Qualität keine Kompromisse machen.“

Halti setzte hohe Maßstäbe. Kundinnen und Kunden wurde ein echtes Preis-Leistungs-Versprechen gegeben – sowie eine einjährige Garantie auf Produkt und Material. Zugleich bekräftigte das Unternehmen sein Leitmotiv: „zuzuhören, zu lernen und Wissen in Produkte zu verwandeln.“ Schon früh spielten Expeditionsteams und Produkttester eine zentrale Rolle. Jedes Produkt sollte sich unter realen Bedingungen bewähren – genau in den Situationen, für die es geschaffen wurde.

Zwei Frauen stehen neben Bildern von Zeichengeräten, einem Computerarbeitsplatz und einer Zeitschrift mit dem Titel HALTI.

„Ein Parka gehört zu den Grundpfeilern der Kleidung – wie ein T-Shirt oder Jeans. Er kommt nie aus der Mode, auch wenn sich die Trends verändern.“

Haltis erstes Kleidungsstück war ein Parka

Parallel zur Entwicklung von Trekkingausrüstung begann Halti schon bald damit, passende Outdoor-Bekleidung zu entwerfen. Die ersten Kleidungsstücke waren eine Parkajacke und Parkahosen. Haltis erste Designerin, Irmeli „Imppu“ Lähde, erinnert sich gut an die Atmosphäre der Anfangsjahre: „Ein Parka gehört zu den Grundpfeilern der Kleidung – wie ein T-Shirt oder Jeans. Er kommt nie aus der Mode, auch wenn sich die Trends verändern.“ Imppu wurde kurz nach der Gründung des Unternehmens eingestellt, um Haltis unverwechselnde Designhandschrift zu entwickeln – damals wurden jährlich rund 3.000 Kleidungsstücke gefertigt.

Sie beschreibt, wie sie große gestalterische Freiheit genoss und Inspiration mit offenem Blick überall suchte – sogar bei den Olympischen Winterspielen, wo das Team die Sportmode jener Zeit studierte. In den 1970er Jahren eröffneten neue Materialien völlig neue Möglichkeiten: Nylon, Polyester und frühe wasserabweisende Ausrüstungen begannen die Naturfasern zu ersetzen, und Halti griff diese Innovationen schnell auf, indem technische Stoffe unter anderem aus Schweden und der Schweiz bezogen wurden.

Die Arbeit war intensiv und zugleich unglaublich inspirierend. Das kleine Team bestand aus einem Produktmanager, einer talentierten Schnittmacherin und einer Näherin, die die Musterstücke fertigte. Auch Designerinnen und Designer waren oft bei Verkaufsgesprächen dabei, denn Feedback hatte große Bedeutung „Wenn der Kunde es nicht mag, verkauft es sich nicht – und dann ist die eigene Arbeit nicht gelungen.“

Digitale Werkzeuge halten Einzug in den Designprozess

In den frühen Jahren von Halti wurden alle Skizzen von Hand gezeichnet, Farbgestaltungen mit Markern oder Stiften ausgeführt – jede Überarbeitung bedeutete mühsame Neuzeichnungen. Als Imppu von einem neuen Computerprogramm hörte, mit dem sich Produktabbildungen erstellen ließen, war ihr sofort klar: Halti braucht genau so ein Werkzeug. Der Besuch eines Kurses und die Anschaffung der neuen Geräte veränderten die Arbeitsweise grundlegend – plötzlich musste nicht mehr jede Zeichnung komplett von vorne beginnen.

Die CAD-Technologie beschleunigte den Designprozess erheblich, reduzierte Fehler und erleichterte die Kommunikation mit Kundinnen und Kunden sowie mit Herstellern. Obwohl Imppu anfangs keinerlei Computererfahrung hatte, erlernte sie das neue Werkzeug schnell – und wirkte sogar an der Weiterentwicklung der Software mit. Das Cadvision-Programm, speziell auf die Bedürfnisse von Halti zugeschnitten, wurde zum Fundament des modernen Produktdesigns im Unternehmen.

Irmeli Lähde arbeitete bis 1990 als Designerin bei Halti. Ihr Einfluss prägt viele der frühen Produkte und die gestalterische Formensprache, die die Marke bis heute auszeichnet.

Eine moderne Version des Parkas eröffnet die Jubiläumskollektion

Haltis 50-jährige Reise wird mit einem Produkt gefeiert, das direkt zu den Wurzeln des Unternehmens zurückkehrt. Der Halti 1976 Parka schöpft seine Inspiration aus den frühen Jahren der Marke, ist jedoch vollständig auf die Bedürfnisse der Gegenwart ausgerichtet. Das zentrale Thema des Designprozesses lautete „gemeinsam“ – und tatsächlich war das gesamte Halti-Designteam an der Entwicklung beteiligt. Entstanden ist ein zeitloser, klassischer Parka, dessen Herzstück Reparierbarkeit, Langlebigkeit und bis ins Detail durchdachte Funktionen bilden.

Bei der Materialwahl wurde konsequent auf recycelte Rohstoffe gesetzt, wo immer es möglich war. Die Isolierung besteht aus recycelter Daune, die mit einer Innovation des finnischen Start-ups Untuvia behandelt wurde. Die recycelte Untuvia®-Daune wird mithilfe von Kohlendioxid gereinigt – ein Verfahren, das Verunreinigungen entfernt, ohne die harte mechanische Belastung herkömmlicher Waschmethoden. Diese schonende Methode erhält die Struktur und die Wärmeleistung der Daune deutlich besser.

Anfang Dezember wurde der Halti 1976 Parka auf der ISPO 2026 in München mit dem renommierten Scandinavian Outdoor Award ausgezeichnet. Die Jury würdigte insbesondere den ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz, der sich sowohl in der Materialauswahl als auch im auf langfristige Nutzung ausgelegten Design widerspiegelt.

Vom Überlebenskleidungsstück zum treuen Outdoor-Begleiter – Die Reise des Parkas von der Arktis bis heute

Die Geschichte des Parkas beginnt weit im Norden, in arktischen Gemeinschaften, wo die Aufgabe des Kleidungsstücks einfach, aber lebenswichtig war: den Menschen, der ihn trug, zu schützen. Der ursprüngliche Parka war ein reines Überlebenskleidungsstück – geschaffen von den Caribou-Inuit und gefertigt aus Robben- oder Rentierfell, um extremsten Bedingungen standzuhalten. Das Wort „Parka“ stammt aus der Sprache der Nenzen und bezeichnet ein Kleidungsstück aus Tierhaut, das vor Kälte, Wind und Nässe schützen soll.

Im 20. Jahrhundert fand der Parka seinen Weg vom arktischen Alltag in den militärischen Einsatz. Während des Koreakriegs schufen die Modelle M-51 und N-3B der US-Armee die Grundlage für den modernen Parka: die große Kapuze, geräumige Taschen und der charakteristische Fishtail-Rücken, der Schutz und Bewegungsfreiheit zugleich bot. Viele dieser Details sind bis heute unverkennbar – auch wenn sich der Parka im Laufe der Jahrzehnte immer wieder verändert hat.

Vom Streetstyle-Ikone zum technischen Outdoor-Kleidungsstück

In den 1960er-Jahren fand der Parka seinen Weg in die britische Streetculture. Stilbewusste Mod-Jugendliche übernahmen den militärischen Fishtail-Parka als schützende Schicht über ihren schmal geschnittenen Anzügen, während sie nachts auf ihren Vespas von Jazzclub zu Jazzclub fuhren. Die Jacke war praktisch, lang und lässig – und damit schlicht perfekt. Der Parka wurde zur Ikone, zu einem Symbol der Popkultur.

Heute ist der Parka in gewisser Weise zu seinem Ursprung zurückgekehrt: zu einem zuverlässigen Ausrüstungsstück für Outdoor-Abenteuer. Sein langer Schnitt, die warme Kapuze und die Fähigkeit, Schichtbekleidung zu ergänzen, machen ihn ideal für die unberechenbaren Bedingungen des Nordens. Die schweren, waldgrünen Baumwollstoffe aus militärischen Beständen wurden durch wasser- und winddichte technische Materialien ersetzt, die massiven Fütterungen durch leichte, aber warme Isolierungen. Auch die Details sind funktionaler denn je – mehr Verstellmöglichkeiten, bessere Beweglichkeit, schützende Konstruktionen.

Und dennoch hat der Parka seinen klaren, zeitlosen Look bewahrt. Dadurch fühlt er sich heute ebenso selbstverständlich in der lebendigen Innenstadt an wie auf einem windgepeitschten Fjäll.

Ein nordisches Essential – weitergegeben von Generation zu Generation

Ein Parka ist weit mehr als nur ein warmer Wintermantel. Er ist Teil eines langen Erbes der Outdoor-Kultur – ein seltenes Kleidungsstück, das seine Bedeutung im Wandel der Zeit stets bewahrt hat. Ursprünglich geschaffen, um in arktischen Bedingungen das Überleben zu sichern, begleitet er uns heute ebenso selbstverständlich auf Wanderungen wie in der Stadt, beim Spielen mit Kindern im Freien oder auf dem täglichen Arbeitsweg.

Ein zuverlässiger Begleiter des Nordens – getragen von einer Generation zur nächsten.