Vier Personen in Winterkleidung bereiten Holzschlitten in einer verschneiten, vereisten Landschaft vor, im Hintergrund sind Geräte zu sehen.

Eine frostige Eroberung des Pols als Teil finnischer Expeditionsgeschichte

Das Jahr 1984 ist in die Geschichte des Expeditionswesens eingegangen. Damals erreichte die achtköpfige finnische Huurre-Expedition als zweite Gruppe weltweit auf Skiern den geografischen Nordpol. Die Expedition bewegte sich aus eigener Muskelkraft fort, zog ihre Ausrüstung in Pulken hinter sich her und durchquerte Press­eisfelder sowie offene Wasser­rinnen. Die Leistung war auch international bedeutend und wurde im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet.

Polarexpeditionen galten jahrzehntelang als norwegische Paradedisziplin. Die Huurre-Expedition bewies, dass auch die Finnen über jene Sisu und Ausdauer verfügen, die Leistungen möglich machen, die sich in die Geschichtsbücher einschreiben.

Auch für den Ausrüstungspartner Halti bedeutete die Expedition den Beginn einer neuen Ära. Zwar war das Polareis bereits seit über hundert Jahren bereist worden, doch bis dahin dominierte traditionelle Produkte aus Pelz, Wolle und anderen Naturmaterialien. Nun standen neue technische Materialien und ein wachsendes Verständnis für die Anforderungen einer solchen Expedition zur Verfügung. Halti nahm die Herausforderung an, und mit der Nordpol-Expedition erreichten sowohl die Produkte als auch die Materialkompetenz des Unternehmens ein neues Niveau.

Eine Gruppe von Männern in Wintermänteln steht in einem Flughafen; zwei eingefügte Bilder zeigen eine Postkarte und ein Foto von zwei Personen mit einem Hund.
Drei Personen in Winterausrüstung überqueren gebrochenes Meereis, eine zieht einen Schlitten mit Ausrüstung unter einem bedeckten Himmel.

Den Kräften des Polareises ausgeliefert

Auf dem nördlichen Eismeer treibt langsam wanderndes, mehrjähriges Packeis. Am Nordpol gibt es nichts Dauerhaftes, nur ständig in Bewegung befindliches Eis über einem mehrere tausend Meter tiefen Meer. Die Zerklüftung des Eises, Spalten und mitunter turmhohe Eisblöcke machen jede Fortbewegung unberechenbar.

Der Marsch begann am 6. März 1984 auf der kanadischen Ellesmere-Insel und dauerte insgesamt 74 Tage.

Die achtköpfige Expedition bewegte sich ausschließlich aus eigener Kraft fort, auf Skiern und mit Pulken. Nachschub wurde per Flugzeug geliefert. Die Drift des Eises konnte dazu führen, dass die Gruppe an einem Tag 15 Kilometer nach Norden lief, sich am nächsten Tag jedoch mehrere Kilometer weiter südlich wiederfand.

Obwohl die Reise im Frühjahr stattfand, lagen die Temperaturen tagsüber bei etwa minus 20 Grad, nachts bei bis zu minus 50 Grad. Besonders der Beginn war schwierig, auch für die Ausrüstung. Im ersten Monat stieg das Thermometer kein einziges Mal über minus 30 Grad. Der Wind verschärfte die Kälte, Erfrierungen waren eine ständige Gefahr. Plötzliche Stürme und schlechte Sicht konnten das Vorankommen vollständig stoppen. Wegen der Press­eisrücken blieben manche Tagesetappen auf wenige Kilometer begrenzt, und gelegentlich verbrachte die Expedition mehrere Tage im Zelt, während draußen der Sturm tobte.

Das Wissen um die Nähe von Eisbären verlieh jedem Lager eine zusätzliche Spannung.

Drei Personen in Winterausrüstung bewegen sich in eisigem Gelände, wobei eine Person Skier trägt und die andere einen Schlitten durch Schnee und Eis zieht.
Zwei Personen in Winterkleidung stehen im Schnee zwischen Fahrzeugen, im Hintergrund sind ein Gebäude und Fahnen zu sehen.

Jahre der Vorbereitung

Die Expedition bestand aus abenteuerlustigen Freunden, deren Kern eine Gruppe Pfadfinder aus Oulu bildete. Bereits 1976 gründeten sie die Retkiryhmä 76, die sich auf anspruchsvolle arktische Wanderungen konzentrierte. Das älteste Mitglied der Gruppe, Jussi Kauma, war der Motor des Projekts.

Der Name Huurre stammte von einem Sponsor aus der Kältetechnikbranche. Halti übernahm die Ausrüstung, und das Magazin APU stieg früh als Sponsor ein unter der Bedingung, dass ein Journalist die Expedition begleiten durfte. Für diese Aufgabe wurde Matti Saari ausgewählt.

Basislager der Expedition war Resolute Bay, eine in den 1950er-Jahren gegründete Inuit-Siedlung im kanadischen Arktisgebiet. Von dort flog die Gruppe mehrere Stunden zum Startpunkt der Skitour an der Nordspitze der Ellesmere-Insel. Vor ihnen lag eine raue Strecke von rund tausend Kilometern durch treibendes Eis, Press­eisfelder, Spalten und Eisberge. Das Vorankommen war langsam, und zeitweise mussten die Pulken getragen werden.

„Unter diesen Bedingungen konnte man das Vorankommen höchstens in halbstündigen Abschnitten planen. Danach wartete wieder eine Spalte, Press­eis oder ein abrupt wechselndes Wetter. Es kam zum Whiteout, und die Sicht verschwand völlig“, erinnert sich Jussi Kauma.

Eine rote und blaue Winterjacke neben einem verschneiten Campingplatz mit blauen Zelten, Schlitten und mehreren Fahnen.
Eine Person mit roter Mütze bei der Arbeit im Halbdunkel, eine handschriftliche Notiz und eine Nahaufnahme einer roten Wintermütze mit Ohrenklappen.

Dramatische Momente auf dem Eis und in Finnland

Die Expedition bedeutete eine permanente körperliche Belastung. Psychisch war die Reise eintönig und von der Außenwelt isoliert. Die Tage bestanden aus Skilaufen, Wartung der Ausrüstung und Erholung. Das Trocknen der Ausrüstung war mühsam. Kaffee, Kaugummi und gelegentliche kleine Feiern brachten Abwechslung in den Alltag.

Der Kontakt zu den Versorgungsteams erfolgte per Funk, doch die Verbindung war nicht immer zuverlässig. Zusätzlich stand ein rudimentäres Satellitennavigationsgerät in der Größe einer Bananenkiste zur Verfügung, das Positionsdaten in Zahlencodes über Frankreich und die USA nach Kanada übermittelte. Der erste Versorgungsflug misslang, und die über dem Lager abgeworfenen Vorräte verteilten sich durch den Wind über das Eis.

Mitte März begann das Funkgerät plötzlich einen Notrufcode zu senden, was in Kanada Vorbereitungen für eine Rettungsaktion auslöste. In Resolute Bay ging man bereits von einem Unglück aus. Letztlich handelte es sich jedoch um eine Verbindungsstörung. Die Expedition verbrachte zur selben Zeit einen Ruhetag im Zelt, ohne von der Situation zu wissen.

Zur gleichen Zeit führten die Angehörigen in Finnland ihren Alltag weiter. Nachrichten von freudigen Familienereignissen ebenso wie von traurigen Mitteilungen wurden per Brief und Telefon ausgetauscht.

Drei Personen in roten Winterjacken stehen im Schnee; rechts ist eine rote Gesichtsmaske mit weißen Bändern vor schwarzem Hintergrund zu sehen.
Eine signierte Postkarte und ein Foto von zwei Personen in roter Kleidung, die mit Fahnen am Nordpol im Schnee stehen.

Die finnische Flagge am Nordpol

Die Expedition erreichte den Nordpol am Sonntag, dem 20. Mai 1984. Noch am selben Tag wurde die Nachricht im finnischen Sonntagsfernsehen verkündet: Die finnische Flagge hatte den Nordpol erreicht.

Vor Ort vergrub Jussi Kauma einen Appell für den Schutz der Natur im Eis.

Die Huurre-Expedition war die sechste bestätigte Gruppe am Nordpol, und ihre Mitglieder wurden zu den 56. bis 62. Menschen der Geschichte, die den Nordpol aus eigener Kraft erreicht hatten. Vor Ort gab es keine Wahrzeichen und keine Feierlichkeiten, doch ein Traum war Wirklichkeit geworden. Jahre der Vorbereitung hatten die Abenteurer sicher ans Ziel geführt. Nun galt es nur noch, sicher nach Hause zu gelangen.

In Finnland war der Empfang feierlich. Die Expedition wurde landesweit geehrt, und die ersten Wochen waren geprägt von Veranstaltungen und Medienaufmerksamkeit. Der damalige Ministerpräsident Kalevi Sorsa, Schirmherr der Expedition, lud die Gruppe zu einem Abendessen ein. Es war die Verwirklichung eines großen Traums, nicht nur für die Expedition, sondern für alle, die an dem Projekt beteiligt waren.

Eine Person in roter Winterkleidung überprüft ihre Ausrüstung im Schnee in der Nähe von Zelten; links ist ein roter Parka zu sehen. Der Text lautet:
Drei Personen in roten Parkas stehen mit finnischen, HALI- und kanadischen Flaggen im Schnee; darunter sind Unterschriften zu sehen.

Ausrüstung am Limit

Dass Halti Ausrüster der Huurre-Expedition wurde, war kein Zufall. Firmengründer Juhani Hyökyvaara trieb eine persönliche Leidenschaft für die Entwicklung von Outdoor-Ausrüstung an. Als junger Pfadfinder sammelte er erste Erfahrungen im Unternehmen „Pylkönmäen Nahkatyö“. Später arbeitete er im Sportfachhandel Oy Skoha Ab, stand in engem Kontakt mit Herstellern, Sportlern und Wildnisführern und hörte aufmerksam zu, wo Ausrüstung funktionierte und wo sie versagte. So entstand über Jahre hinweg ein tiefes, nutzerorientiertes Verständnis.

Als Halti Anfang der 1970er-Jahre gegründet wurde, war das Ziel klar: Für jede Disziplin möglichst langlebige, funktionale und zugleich leichte Produkte zu entwickeln. Produktentwicklung spielte von Beginn an eine zentrale Rolle, mit dem Anspruch, Praxiserfahrung und technisches Know-how zu verbinden.

Eine Person fährt auf Skiern über verschneites Gelände und zieht dabei einen Schlitten, wobei rechts ein roter Rucksack vor einem schwarzen Hintergrund separat dargestellt ist.
Oben: Person in einem Schlafsack. Unten: Zwei Personen in roten Anzügen sitzen im Schnee neben großen blauen Rucksäcken.

Retkiryhmä 76 und die Entstehung der Zusammenarbeit

Die erste Begegnung fand 1977 auf der Erämessu-Messe in Riihimäki statt, als Jussi Kauma und Ausrüstungsverantwortlicher Olli-Pekka Nordlund von Retkiryhmä 76 die Produkte der neu gegründeten und als Marke registrierten Firma Halti kennenlernten. Die anfängliche Skepsis der jungen Abenteurer wich schnell, und bald besiegelte ein Handschlag die Zusammenarbeit. Retkiryhmä 76 wurde zu einem wichtigen und langfristigen Partner in Haltis Produktentwicklung.

Die Planung der Nordpol-Ausrüstung begann 1980 mit voller Intensität. Was ursprünglich als kleineres Projekt gedacht war, wuchs im Laufe der Jahre zu einer erheblichen finanziellen Herausforderung für das junge Unternehmen. Am Ende standen der Expedition über 900 Halti-Produkte zur Verfügung. Mit Ausnahme von Schuhen und Handschuhen stammten sämtliche Bekleidung und Unterkunftsausrüstung von Halti.

Die größten Herausforderungen waren Kälte und Feuchtigkeit. Bis dahin waren Zelte und Schlafsäcke aus Naturmaterialien gefertigt worden. Baumwollstoffe und Daunenfüllungen waren schwer und im nassen Zustand kaum zu trocknen. Das Nordpol-Projekt zwang zu einem Umdenken. Leichtigkeit und Feuchtigkeitsresistenz rückten in den Mittelpunkt, unter anderem durch den Einsatz von Kunstfaser-Schlafsäcken.

Bei den Zelten wurden mehrere Konstruktionen getestet, bevor man sich für ein Pyramidenmodell entschied, das Raumvolumen, Windstabilität und schnellen Aufbau vereinte. Auch bei Rucksäcken und Bekleidung wurden neue, leichtere Lösungen erprobt, die Funktionalität und Schutz verbesserten.

Parallel zu Feldtests wurden Produkte und Eigenschaften in den Labors von Otaniemi untersucht.

Ein Mann in einem roten Parka im Schnee; Menschen in roten Parkas bauen ihre Ausrüstung auf; eine Gruppe fährt über verschneites Gelände.

Der Nordpol als Wendepunkt

Die Auswirkungen des Projekts zeigten sich in konkreten Produktinnovationen innerhalb der Halti-Kollektion. Der Name „Northpole“ erschien auf Bekleidung und Rucksäcken, und Kunstfaserfüllungen setzten sich zunehmend durch. Lösungen, die gemeinsam mit Expeditionsprofis unter extremen Bedingungen entwickelt wurden, fanden Eingang in das gesamte Sortiment und hoben die Leistungsfähigkeit der Produkte auf ein neues Niveau.

Das Nordpol-Projekt schärfte die ursprüngliche Überzeugung des Unternehmens: Die besten Produkte entstehen im realen Einsatz, unter den anspruchsvollsten Bedingungen. Die Zusammenarbeit mit der Expedition machte Halti-Ausrüstung nicht nur funktional, sondern auch verlässlich. Wenn Produkte am Nordpol bestehen, kann man sich überall auf sie verlassen.

Mit der breiten medialen Aufmerksamkeit wurde Halti zunehmend mit anspruchsvollen Disziplinen und extremen Bedingungen in Verbindung gebracht. Hohe Qualität und in der Praxis erworbene Glaubwürdigkeit machten die Produkte begehrenswert. Der Nordpol war nicht nur eine Expedition, er war der Moment, der Haltis Identität als glaubwürdiger finnischer Wegbereiter im Outdoor-Bereich prägte.