Die goldenen Jahre des finnischen Abenteuersports und die Entstehung des Streetpack-Rucksacks
Ende der 1990er-Jahre entstand eine Zusammenarbeit, die sowohl den finnischen Abenteuersport als auch die Entwicklung technischer Outdoor-Ausrüstung maßgeblich beeinflusste. Als Team Halti, später Team Nokia Adventure, begann, an den härtesten Adventure-Racing-Wettkämpfen der Welt teilzunehmen, benötigten sie Ausrüstung, die Bedingungen standhielt, unter denen viele andere versagten.
Für Halti bot die Zusammenarbeit eine einzigartige Gelegenheit, Produkte unter extremen Bedingungen zu testen. Für das Team bedeutete sie, dass die Ausrüstung direkt auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten werden konnte. Das Ergebnis waren Lösungen, die nicht nur im Wettkampf Anwendung fanden, sondern später auch in Verbraucherprodukte einflossen – wie etwa den legendären Halti Streetpack-Rucksack, dessen Ursprünge genau in diesen Wettkämpfen liegen.
Team Halti trat in den Jahren 1998 bis 2004 an und entwickelte sich in dieser Zeit zu einem der erfolgreichsten Abenteuersportteams der Welt. Das Team gewann zahlreiche internationale Wettbewerbe und errang unter anderem im Jahr 2001 den ersten Weltmeistertitel im Abenteuersport.
Die Entstehung eines finnischen Abenteuersportteams
Die Geschichte von Team Halti begann mit einer Gruppe finnischer Ausdauersportler mit starkem Hintergrund im Orientierungslauf und anderen Geländesportarten. Zu den zentralen Figuren gehörten Petri Forsman, Terho Lahtinen, Mika Hirvinen, Pasi Ikonen, Iiro Kakko, Elina Mäki-Rautila, Jukka Pinola, Mervi Väisänen und Mervi Anttila.
Petri Forsman interessierte sich 1997 für den Abenteuersport, nachdem er einen Artikel über den Finnen Tom Packalen gelesen hatte, der am legendären Eco Challenge teilgenommen hatte. Die Idee eines multidisziplinären Ausdauerwettkampfs faszinierte ihn.
Kurz darauf erhielt Forsman einen Anruf von Terho Lahtinen.
„Terho rief an und fragte, ob ich Interesse hätte mitzumachen. So hat es eigentlich begonnen – wir stellten ein Team zusammen und probierten es einfach aus“, erinnert sich Forsman.
Die ersten Wettkämpfe waren noch kurze Etappenrennen. Ein Wettbewerb in China im Jahr 1998 dauerte beispielsweise vier Tage und bestand aus täglichen Etappen von etwa fünf Stunden, nach denen man ins Hotel zurückkehrte. Doch sowohl die Sportart als auch das Team entwickelten sich schnell weiter, und bald kamen mehrtägige Rennen hinzu, die von den Teilnehmern extreme körperliche und mentale Ausdauer verlangten.
Was ist Abenteuersport?
Abenteuersport, auch Adventure Racing genannt, ist eine multidisziplinäre Ausdauersportart, bei der sich Teams mithilfe von Karte und Kompass durch die Natur bewegen. Typische Disziplinen sind Mountainbiking, Laufen und Wandern, Paddeln sowie Orientierungslauf. Darüber hinaus enthalten die Wettkämpfe oft Spezialdisziplinen wie Abseilen, Klettern oder das Überqueren von Gewässern.
Es gibt zwei Haupttypen von Wettkämpfen. Bei Etappenrennen ist der Wettbewerb in Tagesabschnitte unterteilt. Am Ende des Tages können sich die Teams ausruhen, ihre Ausrüstung warten und sich auf die nächste Etappe vorbereiten.
Expeditionsrennen hingegen stellen die extremste Form dar. Hier wird der Wettbewerb nahezu ohne Unterbrechung absolviert, und die Teams entscheiden selbst, wann sie Pausen einlegen. Die Rennen können zwischen drei und zehn Tagen dauern und Strecken von mehreren hundert Kilometern in unterschiedlichstem Gelände umfassen. Neben körperlicher Ausdauer erfordert die Sportart präzise Navigation, effizientes Energiemanagement und vor allem starke Teamarbeit – denn ein Team ist nur so stark wie sein schwächstes Mitglied.
Das Geheimnis des Erfolgs
Während viele Teilnehmer aus dem Trekking- und Wanderbereich kamen, näherte sich Team Halti der Sportart aus einer rein sportlichen Perspektive. Viele Teammitglieder hatten einen Hintergrund im Spitzensport, insbesondere im Orientierungslauf und Ausdauersport.
Das zeigte sich vor allem in einem entscheidenden Punkt: Sie liefen dort, wo andere gingen.
Viele betrachteten die Wanderabschnitte tatsächlich als Wanderungen. Team Halti hingegen absolvierte sie im Laufschritt. Leichte Kleidung und schnelles Vorankommen unterschieden das Team deutlich von Konkurrenten mit oft schwererer Ausrüstung.
Das Team wurde nach Kompetenz zusammengestellt. Entscheidend war die Fähigkeit, sich effizient im Gelände zu bewegen, zu navigieren, Rad zu fahren und zu paddeln. Da Wettkämpfe häufig auch Seilabschnitte beinhalteten, mussten alle Mitglieder grundlegende Kletter- und Abseiltechniken beherrschen.
Einige Disziplinen waren im Voraus bekannt, doch typisch waren auch Überraschungsdisziplinen, mit denen die Veranstalter die Vielseitigkeit der Athleten testeten. Dazu konnten beispielsweise Inlineskaten oder Reiten gehören. Mitunter standen auch Gletscherüberquerungen oder das Durchqueren von Gewässern auf dem Programm.
Ausrüstungsentwicklung als Teil des Wettbewerbs
Im Abenteuersport spielt die Ausrüstung eine entscheidende Rolle. In langen Rennen tragen die Teilnehmer nahezu ihre gesamte persönliche Ausrüstung während des gesamten Wettbewerbs bei sich.
Für Halti bedeutete die Zusammenarbeit mit Team Halti eine Herausforderung und gleichzeitig wertvolles Feedback direkt aus Extremsituationen. Im Zentrum der Produktentwicklung stand insbesondere der Rucksack.
Der Orientierungsläufer Iiro Kakko hatte bereits zuvor gemeinsam mit Halti einen leichten Rucksack für Rogaining-Wettbewerbe entwickelt. Dieser sogenannte Kakko-Rucksack wurde anschließend für die Bedürfnisse von Team Halti weiterentwickelt.
Der Rucksack musste extrem leicht, gleichzeitig robust und gut sitzend sein. Er musste genügend Taschen bieten, damit wichtige Gegenstände während des Wettkampfs schnell erreichbar waren – etwa Energiegels, Kompass oder Wasseraufbereitungsmittel.
Beim Testen wurden die Rucksäcke oft schwer beladen, um ihre Belastbarkeit über lange Zeit zu prüfen. Petri Forsman besitzt noch heute einen dieser frühen Wettkampfrucksäcke, die dem späteren Streetpack vorausgingen.
„Der Rucksack funktioniert immer noch gut. Ich weiß nicht, ob sich Rucksäcke seitdem überhaupt wesentlich weiterentwickelt haben“, sagt er.
Leicht, aber robust für extreme Bedingungen
Ein Wettkampf konnte bis zu acht Tage dauern, und Kleidung wurde in dieser Zeit meist kein einziges Mal gewechselt. Wenn sie nass wurde, musste sie am Körper trocknen.
Leichte, aber langlebige Materialien waren daher entscheidend. Der Fokus des Teams auf jedes Gramm und das kontinuierliche Feedback beeinflussten auch die Produktentwicklung von Halti. Zur gleichen Zeit entwickelte Halti das Grade VII-Konzept, das sich auf besonders anspruchsvolle Outdoor-Aktivitäten konzentrierte.
Neben Rucksäcken und Kleidung stellte Halti dem Team auch Zelte sowie Biwaksäcke zur Verfügung. Letztere waren besonders nützlich bei Wettkämpfen, bei denen Schlafsäcke nicht zur Pflichtausrüstung gehörten. In Brasilien konnten die Temperaturen tagsüber über 30 Grad steigen, während sie nachts stark abfielen – ein schützender Biwaksack war dann unerlässlich.
Legendärer Raid Gauloises im Himalaya
Einer der bedeutendsten Wettkämpfe in der Geschichte von Team Halti war der Raid Gauloises im Jahr 2000, der im Hochgebirge des Himalaya an der Grenze zwischen Tibet und Nepal stattfand.
Team Halti bereitete sich außergewöhnlich gründlich vor. Um sich an die Höhe und den niedrigen Sauerstoffgehalt zu gewöhnen, verbrachte das Team die Wochen vor dem Wettkampf in Kathmandu und unternahm Akklimatisierungstouren, unter anderem zum Basislager des Mount Everest. Der Wettkampf begann auf etwa 4.000 Metern Höhe und führte bis auf 5.200 Meter.
Viele Teams hatten bereits am Start Schwierigkeiten aufgrund der Höhe und der dünnen Luft.
Zur Pflichtausrüstung gehörte auch wetterfeste Kleidung. Halti entwickelte dafür einen besonders leichten, wasserdichten DrymaxX-Anzug. Bei der Ausrüstungskontrolle zweifelten die Veranstalter jedoch zunächst an der Wasserdichtigkeit, da die bekannten Gore-Tex-Kennzeichnungen fehlten. Erst offizielle Zertifikate von Halti konnten die Situation klären.
Der Wettbewerb umfasste anspruchsvolle Wanderetappen, über 100 Kilometer lange Radstrecken sowie Passagen durch Dschungel und Reisfelder. Gleichmäßiges Tempo, präzise Navigation und starke Teamarbeit – nahezu ohne Schlaf – brachten das Team an die Spitze und schließlich als Erste ins Ziel.
Der Sieg beim Raid Gauloises war ein historischer Moment für den finnischen Abenteuersport und katapultierte Team Halti an die internationale Spitze.
Historischer Weltmeistertitel
Im Jahr 2001 fanden in der Schweiz die ersten Weltmeisterschaften im Abenteuersport statt. Da der Wettbewerb in Europa ausgetragen wurde, waren alle Top-Teams vertreten.
Das Rennen dauerte etwa 100 Stunden und führte durch die anspruchsvollen Hänge der Alpen. Die Höhenunterschiede waren enorm. Entscheidend waren präzise Navigation und das richtige Timing von Pausen. Das Wetter wechselte stark – obwohl es Spätsommer war, fielen während des Wettkampfs über 20 Zentimeter Schnee.
In der Schlussphase gelang es Team Halti, den favorisierten Konkurrenten aus Neuseeland zu überholen. Bei einem nächtlichen Aufstieg beleuchtete das Mondlicht den Weg, und das Team entschied sich, ohne Stirnlampen voranzugehen, um nicht entdeckt zu werden. Während des über vier Tage dauernden Rennens schlief das Team insgesamt nur etwa vier Stunden – genug für den Weltmeistertitel.
Die Faszination: die eigenen Grenzen ausloten
Für viele liegt die Faszination des Abenteuersports in der gleichen Sache: dem Testen der eigenen Grenzen.
Petri Forsman hatte bereits 15 Jahre Erfahrung im Orientierungslauf, hatte jedoch aufgrund von Verletzungen nie sein volles Potenzial ausschöpfen können. Adventure Racing bot ihm eine neue Möglichkeit.
Auch die Teamarbeit spielte eine große Rolle. Im Abenteuersport lässt man keinen Teamkollegen zurück. Wenn jemand erschöpft ist, wird ihm geholfen – etwa indem man seinen Rucksack trägt oder ihn mit einem Gummiseil unterstützt. Jeder kommt irgendwann in die Situation, Hilfe zu benötigen. Ehrlichkeit über die eigene Belastbarkeit ist entscheidend, denn das Team gewinnt nur, wenn alle gemeinsam das Ziel erreichen.
Abenteuersport war eine Vollzeitbeschäftigung und erforderte vollständige Konzentration. In den besten Jahren war das Team bis zu fünf Monate im Jahr unterwegs.
„Ich würde alles wieder genauso machen“, sagt Forsman.
Das Vermächtnis in Haltis Produktentwicklung
Der Erfolg von Team Halti war nicht nur ein sportlicher. Die Zusammenarbeit hatte auch einen erheblichen Einfluss auf die Produktentwicklung von Halti. Adventure Racing war damals eine neue Sportart, und vieles musste durch Erfahrung gelernt werden.
Die für die Wettkämpfe entwickelten Lösungen – wie leichte Materialien, funktionale Taschenlösungen und ergonomische Rucksäcke – fanden später ihren Weg in Konsumprodukte. Die Ausrüstung entstand unter realen Extrembedingungen, und Haltis Fähigkeit, schnell auf die Bedürfnisse des Teams und die Anforderungen der Wettkämpfe zu reagieren, führte zu zahlreichen innovativen Produktlösungen. Einige davon leben bis heute in Haltis Produkten weiter – als Erinnerung an eine Zeit, in der ein finnisches Team an der Spitze der härtesten Abenteuerwettkämpfe der Welt stand.
























