
Kerttu Niskanen: Kein Plan B
Kerttu Niskanen wusste schon früh, dass sie Profi-Skilangläuferin werden wollte. Ihre Liebe zum Skifahren hat sie dazu gebracht, alles zu geben – und selbst im täglichen Training Freude zu finden.
Wer: Kerttu Niskanen, finnische mehrfache Weltmeisterschafts- und Olympiamedaillengewinnerin im Skilanglauf
Wie sie sich bewegt: Auf Skiern. Oft mit ihrem Hund im Anhänger.
Wo man ihr folgen kann: @kerttuniskanen

Anfang 2021 wusste Kerttu Niskanen nicht, wie ihre Zukunft aussehen würde. Kurz vor den Weltmeisterschaften brach sie sich das Wadenbein, und die Jagd nach Medaillen wurde zu einer Zeit der Ungewissheit über ihre Karriere.
„Bei kleineren Verletzungen weiß man, dass sie irgendwann heilen. Aber diesmal wusste ich zum ersten Mal nicht, ob ich jemals wieder mit einem gesunden Bein Ski laufen kann“, erinnert sich Kerttu vier Jahre später.
Die Ungewissheit wog besonders schwer, weil Kerttu schon seit ihrer Kindheit alles in den Skisport gesteckt hatte.
„Ich dachte, vielleicht war das jetzt das Ende.“
Vom Spiel zum Beruf
Kerttu wusste immer, dass sie Wettkämpfe bestreiten wollte. Jede Entscheidung, die sie traf, zielte auf dieses Ziel.
Ihre Liebe zum Skifahren begann im Garten der Großeltern, wo Kerttu, ihre ältere Schwester Katri und viele Cousins stundenlang auf Skiern spielten.
„Wir hatten nicht einmal richtige Loipen. Unsere Spiele waren reine Fantasie – Wettkämpfe und kleine Sprünge, die wir selbst bauten“, erzählt Kerttu.
Ihre Eltern erkannten ihre Begeisterung und brachten sie auf richtige Strecken. Schon bei den ersten Rennen zeigte sich ihr ausgeprägter Wille zum Sieg. Frühe Erfolge stärkten nur ihre Entschlossenheit.
„Die Entscheidung, Skifahren zu meinem Beruf zu machen, war ganz klar. Ich habe immer gewusst, dass ich Profi werden will, und ich habe konsequent auf diesen Traum hingearbeitet.“
„Vielleicht ist Skifahren heute nicht mehr nur Spiel, aber ich empfinde noch dieselbe Freude wie damals als Kind.“

Vom Talent zur Olympiamedaillengewinnerin
Ehrgeiz und Siegeswille allein reichen in einer der härtesten Einzelsportarten der Welt nicht aus. Erfolg verlangt unermüdliche Arbeit.
Am Sportgymnasium Vuokatti in Finnland merkte Kerttu, dass sie im Vergleich zu anderen noch viel zu lernen hatte – voller Energie und Talent, aber noch nicht fertig geformt.
Als sie ihren eigenen Trainer bekam und sich vollständig auf das Training konzentrierte, änderte sich alles. Heute umfasst ihre Bilanz vier Olympiamedaillen, zwei WM-Medaillen und zahlreiche finnische Meistertitel.
„Auch wenn das Training auf Wettkämpfe ausgerichtet ist, liebe ich das tägliche Üben und mich selbst zu fordern“, sagt sie.
Ein Großteil des Jahres verbringt eine Skilangläuferin allein im Training – etwas, das Kerttu genießt.
„Manche würden sagen, es ist verrückt, so viel Zeit allein im Wald zu verbringen. Aber für mich war es nie eine Qual. Dieses harte Arbeiten fühlt sich irgendwie gut an“, lacht sie.
Arbeitsmoral als Familienerbe
Die Familie Niskanen besteht aus vielen Erfolgreichen. Schwester Katri ist eine der bekanntesten Modedesignerinnen Finnlands, Bruder Iivo gehört zur Weltspitze im Skilanglauf, und die jüngste Schwester Iita betreibt eine eigene Bäckerei in Helsinki.
Kerttu ist überzeugt, dass ihre außergewöhnliche Arbeitsmoral aus dem Elternhaus stammt.
„Unsere Eltern haben uns beigebracht, dass man ohne harte Arbeit nichts erwarten kann.“
Ebenso viel Einsatz erforderte die Rückkehr nach dem Wadenbeinbruch 2021. Nach langer Reha und konsequentem Training war klar: Einen Plan B braucht sie immer noch nicht. Kerttu kehrte im folgenden Winter zurück – und krönte ihr Comeback mit zwei Medaillen bei den Olympischen Spielen in Peking.
Was motiviert sie an schwierigen Tagen?
„Meine Leidenschaft fürs Skifahren war immer so stark, dass ich nie nach Motivation suchen musste“, lacht sie.
Wenn es in Strömen regnet und das Programm ein vierstündiges Rollski-Training vorsieht, fragt sich selbst eine der besten Skiläuferinnen der Welt kurz, ob das wirklich nötig ist.
„Egal wie das Wetter ist, das Training wird durchgezogen. Man darf sich einen Moment lang selbst bemitleiden – dann geht’s los.“

Die eigenen Erwartungen zählen am meisten
Leistungssport bringt immer Erwartungen mit sich, besonders in Finnland, wo Skifahren fast heilig ist.
„Wenn du einmal Erfolg hattest, erwarten die Leute, dass du es beim nächsten Mal genauso schaffst“, sagt Kerttu.
Für sie ist es wichtig, die Erwartungen der Familie und die eigenen von all dem anderen Lärm zu trennen. Die ersten zählen – der Rest nicht.
Misserfolge gehören zum Sport, und bei hohen Erwartungen schmerzen sie umso mehr. Kerttu ist bekannt für ihre Offenheit nach Rennen, die nicht laufen wie geplant.
„Ich sage die Dinge, wie sie sind. Wenn meine Form nicht stimmt oder die Skier nicht funktionieren, sage ich das. Wir haben gelernt, dass ehrliches Feedback der beste Weg ist, besser zu werden.“
Dieselbe Kerttu – auf und abseits der Loipe
In Finnland ist Skilanglauf ein sehr öffentlicher Beruf, und Stars werden in viele Richtungen gezogen. Da ist es wichtig, Grenzen zu setzen.
„Manchmal ist es einfach schön, zu Hause zu sein, wenn niemand zuschaut oder kommentiert, ob ich den Haferbrei richtig koche“, lacht sie.
Obwohl Kerttu ihre Privatsphäre schätzt, hat sie keine getrennte öffentliche Rolle geschaffen.
„Ich will immer ich selbst sein. Es gibt keine Sportlerin-Kerttu und keine andere zu Hause. Ich bin, wer ich bin – die Leute können das gut finden oder nicht“, sagt sie mit einem herzlichen Lachen.
Wenn die Saison vorbei ist, genießt Kerttu das Skifahren einfach aus Freude. Während viele Athleten in den Süden reisen, kann sie es kaum erwarten, wieder auf den Schnee zu kommen.
„Das ist eine ganz andere Art zu laufen – ohne Pulsuhr. Wenn unterwegs ein gemütliches Café liegt, halten wir für ein Zimtschnecken-Pauschen an.“
Auf diesen Touren begleiten sie oft ihr Ehemann und Trainer Juho Mikkonen sowie Hund Martta, der im Rucksack oder Anhänger mitfährt.
„Martta liebt das Tempo und den Wind genauso wie ich. Wir lieben beide das Skifahren.“

Kerttus Tipps für Skiläufer
1: Halte Skifahren spaßig
Mach die Dinge so, dass Skifahren Freude bereitet. Wetter oder Training können hart sein, aber ohne Freude wird es nur Arbeit.
2: Zieh dich nach dem Wetter an
Die richtige Kleidung macht einen riesigen Unterschied – auch für die Stimmung. Wenn du gut gegen Kälte oder Nässe angezogen bist und dich wohl fühlst, musst du gar nicht mehr daran denken.
3: Investiere in gute Ausrüstung
Skifahren ist ein Ausrüstungs-Sport. Gute, gepflegte Skier machen es viel angenehmer. Wenn sie nicht richtig gleiten oder halten, will man nicht wieder raus – dieses Gefühl kenne ich gut!























