Drei Frauen zeigen, dass Skitourengehen für alle ist

Drei Frauen zeigen, dass Skitourengehen für alle ist

Als Wenla Väärälä, Johanna Ketola und Fiia Ketonen beschlossen, ihren ersten Skitouren-Dokumentarfilm zu drehen, verfolgten sie ein Ziel, das weit über die Darstellung des Sports hinausging. Sie wollten die traditionellen Darstellungsweisen von Extremsportarten hinterfragen. In einer Szene, die stark von erfahrenen Profis, spektakulären Leistungen und oftmals von Männern dominiert wird, bietet ihr Film eine frische, zugängliche Perspektive – und macht Platz für alle, unabhängig von Geschlecht, Lebenssituation, Alter oder Könnensstand.

Für diese drei finnischen Frauen ist LASKE weit mehr als nur ein Dokumentarfilm; es ist ein Herzensprojekt, eine persönliche Herausforderung und ein klares Statement. Es ist Finnlands erster vollständig von Frauen produzierter Skitouren-Film und zeigt eindrücklich, dass Frauen jeden Alters und in jeder Lebensphase faszinierende Extremsportarten betreiben können.

Eine neue Perspektive in einer traditionellen Szene

Wir treffen Wenla Väärälä, die Produzentin und Drehbuchautorin von LASKE, per Teams-Call. Sie erzählt begeistert davon, wie es sich anfühlt, nachdem der Film bereits auf einigen Skifilmfestivals in Nordfinnland gezeigt wurde. „Wir hatten wahnsinnige Angst davor, wie er ankommen würde, aber das Feedback aus der Szene war überwältigend positiv“, sagt sie sichtlich glücklich und stolz. Diese positive Resonanz war keineswegs selbstverständlich, denn Wenla und ihr Team hatten zu Beginn nur wenig Filmerfahrung und zählten auch im Sport selbst noch zu den relativ neuen Gesichtern.

Wenla erinnert sich an die anfänglichen Zweifel, sich als Amateure in einem Bereich zu zeigen, in dem „man von außen oft erwartet, dass man steile, hochkomplexe Linien perfekt beherrscht.“ Sie fragte sich: „Wird man uns als echte Skifahrerinnen respektieren, auch wenn unsere Linien nicht perfekt sind?“ Doch genau ihre ehrliche Geschichte und ihre nahbare Perspektive boten den Zuschauern etwas völlig Neues – und das Feedback hat gezeigt, wie sehr diese Stimme in der Outdoor-Welt gefehlt hat.

Die Angst vor Kritik war dabei nicht die einzige Hürde. Als Wenla vor einigen Jahren Mutter wurde, fürchtete sie zunächst, für den Rest ihres Lebens in eine starre „Mutter-Schublade“ gesteckt zu werden. „Ich bin etwas älter, lebe in einer Großstadt und bin nun alleinerziehende Mutter. Wie kann ich da weiterhin die Dinge tun, die ich in der Natur und im Sport liebe? Bin ich jetzt für immer in dieser Schublade gefangen?“ Auch Johanna hatte ihren ganz eigenen Kampf auszufechten – sie überwand im Laufe der Zeit ihre eigene Höhenangst, angetrieben von ihrer unbändigen Leidenschaft für den Sport.

„Es war unglaublich inspirierend zu sehen, wie Johanna über sich hinausgewachsen ist“, erzählt Wenla. „Wir hoffen sehr, dass ihr Beispiel auch andere ermutigt, sich ihren eigenen Ängsten zu stellen – sei es im Sport oder in anderen Lebensbereichen.“

Die Kraft einer weiblichen Perspektive

„Diese weibliche Perspektive war uns extrem wichtig“, betont Wenla. Sie erklärt, wie selten es nach wie vor ist, ein rein weibliches Team – sowohl hinter der Kamera als auch auf den Skiern – in der Welt der Skitouren-Dokumentarfilme zu sehen. „Weltweit sind schätzungsweise in 99 % aller Produktionen Männer beteiligt. Soweit wir wissen, gab es vor uns in Finnland noch keinen einzigen vollständig von Frauen produzierten Skifilm. Mit unserem Projekt möchten wir andere Frauen ermutigen, sich an Skitouren zu wagen, und gleichzeitig zeigen, dass Frauen in jeder Rolle brillieren können – ob vor oder hinter der Kamera.“

Der Film bricht zudem mit dem Klischee, dass Extremsportarten nur etwas für Adrenalin-Junkies sind. „Jeder Mensch hat sein ganz eigenes ‚extremes‘ Level, und man muss keine waghalsigen Stunts machen, um diesen Sport zu genießen. Das Leben stellt uns alle vor Herausforderungen, aber keine davon sollte uns davon abhalten, etwas Neues und Erfüllendes auszuprobieren. Wir können uns aus den vorgefertigten Schubladen befreien, in denen wir uns oft unbemerkt wiederfinden – sei es durch Mutterschaft, das Stadtleben oder den Gedanken, ‚zu alt‘ für einen Neuanfang zu sein. Das sind keine echten Grenzen, sondern im besten Fall nur neue Ausgangspunkte.“

Eine Botschaft, die größer ist als das Projekt

Für Wenla, Johanna und Fiia war die Arbeit an dem Film ein mutiger Sprung ins kalte Wasser. „Wir waren absolut begeistert, aber eben auch unerfahren“, gibt Wenla zu. „Wir haben unendlich viel gelernt, indem wir uns einfach getraut haben. Beim nächsten Mal würde ich fast jeden Schritt anders angehen.“

Trotz aller Mühen beschreibt sie das Endergebnis als zutiefst lohnend. „Die Gemeinschaft, die diesen Sport umgibt, ist unglaublich herzlich“, fügt sie hinzu. „Dieses tiefe Gefühl der Zugehörigkeit war eines der schönsten Erlebnisse auf dieser Reise.“ Wenlas Leidenschaft für Skitouren ist durch das Projekt nur noch weiter gewachsen: Sie plant bereits ihr nächstes Vorhaben und zieht mit ihrem Kind nach Lappland, um direkt an den Bergen zu sein. „Wir werden auf jeden Fall weiterhin gemeinsam mit Fiia und Johanna Ski fahren“, sagt sie mit einem Lächeln, „und wer weiß, welche kreativen Projekte noch vor uns liegen.“

Dieser Dokumentarfilm ist ein kraftvoller Appell an Frauen jeden Alters und in jeder Lebenslage, sich dem Unbekannten zu stellen, ihr ganz persönliches „Extrem“ zu definieren und ihren festen Platz in der Outdoor-Community einzunehmen. Wenla, Johanna und Fiia haben weit mehr als nur einen Film geschaffen – sie haben Türen geöffnet, damit sich Frauen im Extremsport authentisch repräsentiert fühlen.

Zum Abschluss unseres Gesprächs kommen wir auf einige unvergessliche Momente während der Dreharbeiten zu sprechen. Ohne zu viel zu verraten, teilt Wenla eine besonders magische Szene, die auch im Film zu sehen ist: In einer klaren, mondbeschienenen Nacht fuhr das Team die Hänge des finnischen Fjells Pikku Malla hinunter – eingetaucht in einen sanft rosafarbenen Himmel. „Da standen wir: unter Freunden, umgeben von einer atemberaubenden Natur, und jede von uns hat ihre eigenen Grenzen verschoben. Es war ein Moment voller purer Schönheit und Freiheit – die schönste Erinnerung daran, warum wir diesen Weg überhaupt gegangen sind.“

Die LASKE-Dokumentation wird Anfang 2025 frei auf YouTube verfügbar sein. Weitere Informationen zur Veröffentlichung finden sich auf den Social-Media-Kanälen der Produzentin Wenla Väärälä unter @wenlav.

„LASKE“ by:

  • Wenla Väärälä (Regisseurin, Produzentin und Drehbuchautorin): @wenlav

  • Johanna Ketola (Drohnenoperatorin, Fotografin und Drehbuchautorin): @johannaketo

  • Fiia Ketonen (Regisseurin, Videografin und Cutterin): @fiiaemilia